Schlumpf-Kugeln: Geschichte, Bestimmung und Leitfaden für Vintage-Sammler
Schlumpf-Kugeln: Geschichte, Bestimmung und Leitfaden für Vintage-Sammler
TL;DR – Die „Schlumpf-Murmeln“ sind keine Glasmurmeln. Es handelt sich um den liebevollen Spitznamen, den Kinder der 1970er- und 1980er-Jahre den kleinen, etwa 5–6 cm großen PVC-Figuren von Schleich und Bully gaben. Auf dem Gebrauchtmarkt sind sie sehr begehrt und unterscheiden sich deutlich von den limitierten Auflagen aus Kunstharz oder Blei, die für die erwachsenen Sammler von heute bestimmt sind. Dieser Leitfaden hilft Ihnen dabei, sie zu identifizieren, zu datieren und ihren Platz in der Welt der Schlumpf-Sammlerstücke zu verstehen.
„Schlumpf-Murmeln“: Woher stammt dieser Begriff?
Fragen Sie ein beliebiges Kind aus den 1980er Jahren: Es wird Ihnen erzählen, dass es „Schlumpf-Murmeln“ in seinem Zimmer hatte. Dabei waren darin keine Glasmurmeln.
Der Begriff entstand spontan auf den Schulhöfen. Diese kleinen, 5 bis 6 cm großen PVC-Figuren – rund, bunt, leicht – ähnelten den Murmeln, die man zu jener Zeit tauschte. Man trug sie in den Taschen mit sich herum, stellte sie auf die Schreibtische und sammelte sie mit derselben Begeisterung. Der Begriff hat sich durchgesetzt. Noch heute geben Tausende Franzosen „Schlumpf-Murmeln“ in eine Suchmaschine ein, um diese Figuren aus ihrer Kindheit wiederzufinden.
Merken Sie sich: „Schlumpf-Murmel“ = PVC-Sammelfigur, hergestellt unter offizieller IMPS-Lizenz, hauptsächlich von Schleich und Bully. Keine Glasmurmel, kein gewöhnliches Spielzeug.
Die Geschichte der Vintage-Schlumpf-PVC-Figuren
Die Ursprünge der Schlumpf-Figur
Peyo schuf die Schlümpfe im Jahr 1958 in den Seiten von „Johann und Pfiffikus“. Die kleinen blauen Wesen tauchten zunächst in Comics auf, dann entstanden in den 1960er Jahren die ersten unter IMPS-Lizenz hergestellten Figuren.
Der eigentliche Boom in Frankreich setzte mit der Fernsehserie ein. Am 27. Dezember 1982 strahlte Antenne 2 die ersten Folgen in der Sendung „Récré A2“ aus – dies wird durch die Archive des französischen Fernsehens bestätigt. Der von Hanna-Barbera produzierte Zeichentrickfilm wurde jahrelang in Dauerschleife ausgestrahlt, und damit explodierte die Nachfrage nach Figuren in den Spielzeugregalen. So wurde die PVC-Schlumpf-Figur für eine ganze Generation zu einem Alltagsgegenstand.
Schleich – der führende Hersteller
Schleich ist ein deutscher Hersteller. Er bildet den Ausgangspunkt jeder ernsthaften Sammlung. Die Marke produziert bereits seit Ende der 1960er Jahre Schlümpfe aus PVC, und das Sortiment wird sich über zwei Jahrzehnte hinweg kontinuierlich erweitern.
Was diese Figuren für Sammler so wertvoll macht, ist gerade ihre Rückverfolgbarkeit anhand der Markierungen unter dem Sockel:
- W. Germany → Herstellung vor der deutschen Wiedervereinigung, also vor 1990. Die ältesten und oft am meisten begehrten Exemplare.
- Made in Hong Kong → ausgelagerte Produktion, typischerweise aus den Jahren 1970 und 1980.
- Made in Portugal → Übergangsphase der 1980er Jahre, häufig verbunden mit dem Copyright Peyo/IMPS und dem eingeprägten Namen „Schleich“.
Diese Markierungen sind der erste Anhaltspunkt zur Identifizierung einer authentischen alten Schlumpf-Figur. Schleich vertreibt auch heute noch eine offizielle Kollektion mit nummerierten Artikelnummern (20001 bis 20850+), doch die aktuellen Exemplare weisen natürlich nicht dieselben Kennzeichnungen auf wie die historischen Originale.
Bully – der andere große Name im Bereich Vintage-PVC
Bully ist der andere unverzichtbare Hersteller der Schlumpf-Sammlung aus den 80er Jahren. Seine PVC-Schlumpf-Figuren aus den 1970er- und 1980er-Jahren sind auf dem Gebrauchtmarkt sehr begehrt, manchmal sogar mehr als bestimmte entsprechende Schleich-Modelle.
Man erkennt sie an der Aufschrift „Bully“, die unter den Sockel eingeprägt ist, oft begleitet vom Peyo-Copyright. Einige Bully-Formen wurden übrigens ab 1980 von Schleich übernommen, was für erfahrene Sammler interessante Varianten schafft. Das genaue Herkunftsland von Bully ist in der Sammlergemeinschaft nach wie vor umstritten – seien Sie daher vorsichtig mit allzu eindeutigen Aussagen zu diesem Thema.
Wie lässt sich eine Vintage-Schlumpf-Figur identifizieren und datieren?
Lesen Sie die Markierungen unter dem Sockel
Dies ist der erste Schritt, den Sie systematisch durchführen sollten. Drehen Sie die Figur um und lesen Sie alles, was unter den Füßen eingeprägt ist:
- Name des Herstellers (Schleich, Bully, W. Berrie bei den amerikanischen Exportversionen …)
- Herstellungsland: W. Germany, Hong Kong, Made in Portugal, Macau, Sri Lanka – jede Angabe entspricht einem bestimmten Zeitraum und einem Produktionsgebiet.
- Copyright Peyo / IMPS: unverzichtbar bei jedem offiziellen Exemplar. Fehlt diese Angabe, ist dies ein Warnsignal.
- Formnummer: Ermöglicht die Identifizierung des genauen Modells in den Referenzkatalogen.
Eine Markierung „W. Germany“ zusammen mit „© Peyo“ und der eingegossenen Formnummer: Es handelt sich um ein europäisches Originalstück, wahrscheinlich aus den 1970er-Jahren oder dem frühen 1980er-Jahr. Eine Figur ohne lesbare Markierungen sollte mit größter Vorsicht betrachtet werden.
Die optischen Echtheitskriterien
Über die Markierungen hinaus erkennt das Auge eines erfahrenen Sammlers mehrere Details:
- Die Qualität des PVC: Originale fühlen sich leicht geschmeidig, aber fest an, ohne übermäßig spröde zu sein.
- Die Schärfe der Details: Gesichtszüge, Hände und Accessoires sind präzise ausgearbeitet. Neuere, nicht lizenzierte Reproduktionen weisen häufig Grate oder verzerrte Details auf.
- Die historischen Farben: Das Schlumpfblau der Originale hat einen spezifischen Farbton, der sich leicht von dem der Neuauflagen unterscheidet. Die weißen Mützen vergilben mit der Zeit manchmal – dies ist kein Mangel, sondern ein Zeichen für ihr Alter.
- Der Sockel: Die Schleich-Figuren aus dieser Zeit verfügen in der Regel über einen klar definierten ovalen oder runden Sockel mit einer charakteristischen ebenen Oberfläche.
Varianten und Herstellungsfehler
Hier kommen die seltenen Schlumpf-Figuren ins Spiel. Bestimmte Farbvarianten – eine rote statt einer weißen Mütze, eine leicht abweichende Hautfarbe – oder Gussfehler machen diese Stücke zu außergewöhnlichen Exemplaren. Spezialisierte Sammler erfassen diese sorgfältig, und sie können weit höhere Marktwerte erreichen als die Standardversion desselben Modells.
Auch Varianten in der Kennzeichnung werden dokumentiert: Eine und dieselbe Figur kann in den Versionen „W. Germany“, „Hong Kong“ und „Portugal“ existieren, wobei je nach Serie subtile Unterschiede in der Pose oder der Verarbeitung bestehen.
Pixi und die Schlümpfe aus Blei – eine weitere Sammlerwelt
Pixi ist ein französisches Unternehmen, das 1982 von Alexis Poliakoff und Philippe-Antoine Guénard gegründet wurde. Als anerkannter Spezialist für handbemalte Metallfiguren hat Pixi eine offizielle Kollektion von Pixi-Schlumpf-Figuren aus Blei in limitierten, nummerierten Auflagen entwickelt, die mit Echtheitszertifikaten versehen sind.
Es handelt sich um eine Welt, die sich grundlegend von den PVC-Figuren von Schleich unterscheidet, ganz im Sinne unseres Vergleichs der Hersteller von Comic-Figuren. Wir sprechen hier nicht mehr von einem Kinderspielzeug, sondern von einem Sammlerstück für Erwachsene, das sorgfältig modelliert, von Hand bemalt und in einer Auflage von wenigen hundert Exemplaren hergestellt wird. Bestimmte Pixi-Szenen – wie „Das Familienfoto der Schlümpfe“ (300 Exemplare) oder „Der Schlumpf gibt Gas“ (410 Exemplare) – veranschaulichen diesen Anspruch perfekt.
Die Pixi-Schlumpf-Figur aus Blei richtet sich an Sammler, die nicht mehr die Nostalgie einer Taschenfigur suchen, sondern die Beständigkeit eines Miniaturkunstwerks. Beide Ansätze sind legitim und ergänzen sich.
Von der Vintage-„Murmeln“ bis zur zeitgenössischen Statuette aus Kunstharz – die Entwicklung der Schlümpfe-Sammlung
Der Sammler, der in den 1980er Jahren mit seinen Schleich-Murmeln aufgewachsen ist, ist heute 45 bis 55 Jahre alt. Und er entdeckt – oft zu seiner Überraschung –, dass es mittlerweile limitierte Auflagen aus handbemaltem Kunstharz gibt, die seine Lieblingsfiguren mit einem Detailreichtum und einer Treue zum Werk von Peyo wiedergeben, die mit dem PVC jener Zeit nicht zu vergleichen sind.
Statuetten wie Sassette, der Dichter-Schlumpf oder Großmaul sind als Statuetten aus Kunstharz in limitierter Auflage erhältlich, mit Echtheitszertifikat und individueller Nummerierung. Dies ist kein Ersatz für die Vintage-Figuren – es ist eine andere Art, derselben Leidenschaft Ausdruck zu verleihen, wie unser Leitfaden zur Sammlung der Schlümpfe zeigt.
Beide Märkte existieren nebeneinander und ergänzen sich. Die Vintage-Schlumpf-Sammlung aus PVC findet ihren Weg auf Flohmärkte, Comic-Messen und Wiederverkaufsplattformen. Die zeitgenössischen Premium-Editionen richten sich hingegen an dieselben Liebhaber, die mittlerweile erwachsen sind und ihre Stücke nun lieber ausstellen als tauschen möchten – entdecken Sie unsere Auswahl an Schlümpfe-Figuren, um diese zeitgenössischen Stücke kennenzulernen.
Wo findet man Vintage-Schlumpf-Murmeln und wie kann man sie sicher erwerben?
Der Markt für Vintage-Schlumpf-Figuren ist lebhaft, verstreut und mitunter tückisch. Hier sind die wichtigsten Bezugsquellen:
- eBay und Delcampe: die größte Auswahl, aber auch die größten Risiken. Verlangen Sie vor jedem Kauf Fotos vom Sockel der Figur.
- Flohmärkte und Trödelmärkte: Die besten Schnäppchen findet man nach wie vor dort, vor allem in der Provinz. Seien Sie früh vor Ort.
- Comic-Messen und Spielzeugbörsen: Die Fachverkäufer kennen ihr Sortiment und können Ihre Fragen zu den Markierungen beantworten.
- Facebook-Gruppen und Sammlerforen: Die Community ist eng verbunden, und die Verkäufer sind dort in der Regel seriös.
Wichtige Hinweise:
- Überprüfen Sie stets den Zustand des PVC (Verformungen, abblätternde Farbe, Geruch nach zersetztem Kunststoff).
- Überprüfen Sie die Markierungen unter dem Sockel – eine Figur ohne Peyo/IMPS-Copyright-Vermerk ist verdächtig.
- Hüten Sie sich vor neueren, nicht lizenzierten Reproduktionen: Diese überschwemmen bestimmte Plattformen zu niedrigen Preisen und haben keinerlei Sammlerwert.
- Ein seriöser Verkäufer kennt seine Stücke und kann Ihnen sagen, woher sie stammen.
Aufbewahrung und Präsentation Ihrer Sammlung alter Schlumpf-Figuren
PVC altert. Bei unsachgemäßer Lagerung vergilbt es, verformt sich oder zerfällt sogar unwiderruflich. Hier einige einfache Regeln, um eine alte Schlumpf-Figur im bestmöglichen Zustand zu erhalten:
- Vermeiden Sie direktes Licht: Sonnenlicht lässt die Farben verblassen und macht den Kunststoff innerhalb weniger Monate spröde.
- Achten Sie auf die Temperatur: Hitze verformt PVC, insbesondere dünne Teile (Arme, Accessoires). Stellen Sie die Vitrine nicht in der Nähe einer Heizung auf.
- Schonende Reinigung: Verwenden Sie ein leicht feuchtes Tuch ohne chemische Reinigungsmittel. Verwenden Sie niemals Alkohol oder Lösungsmittel auf bemaltem PVC.
- Eine geschlossene Vitrine wird empfohlen: Sie schützt vor Staub, ohne dass häufiges Reinigen erforderlich ist, und bringt die Figuren optimal zur Geltung.
- Flache Lagerung für empfindliche Figuren: Bestimmte Figuren mit Zubehör (Hut, Musikinstrument) sind stoßempfindlich.
Eine gut gepflegte Sammlung behält ihren Wert – und ihre emotionale Aussagekraft. Weitere Informationen finden Sie auch in unserem Leitfaden für Einsteiger als Sammler von Comic-Figuren.
FAQ – Schlumpf-Kugeln: Fragen von Sammlern
Was genau ist eine „Schlumpf-Murmel“? Dies ist der geläufige Spitzname für die 5 bis 6 cm großen Schlumpf-Figuren aus PVC, die unter offizieller IMPS-Lizenz vor allem von Schleich und Bully zwischen den Jahren 1960 und 1980 hergestellt wurden. Der Begriff „Murmel“ leitet sich von ihrer geringen Größe und ihrer Verwendung in Kinderspielen ab. Es handelt sich nicht um Glasmurmeln.
Wie lässt sich eine Schleich-Schlumpf-Figur datieren? Schauen Sie unter den Sockel. „W. Germany“ weist auf eine Herstellung vor 1990 hin, häufig aus den Jahren 1970 und 1980. „Made in Hong Kong“ steht für eine ausgelagerte Produktion aus demselben Zeitraum. „Made in Portugal“ ist typisch für die 1980er Jahre. Das Vorhandensein des Peyo/IMPS-Copyrights und der Formnummer bestätigt die Echtheit.
Was ist der Unterschied zwischen einer Schleich-Figur und einer Bully-Figur? Bei beiden handelt es sich um offizielle PVC-Figuren unter Lizenz von Peyo/IMPS. Schleich ist ein deutscher Hersteller, der bis heute aktiv ist. Bully produzierte seine Schlumpf-Figuren in den Jahren 1970 bis 1980; einige seiner Gussformen wurden ab 1980 von Schleich übernommen. Beide Marken sind auf der Unterseite des Sockels vermerkt, und beide sind bei Sammlern begehrt.
Ist eine Vintage-Schlumpf-Figur viel wert? Das hängt ganz von der Seltenheit, dem Zustand und dem Modell ab. Eine gängige Figur in gutem Zustand ist bereits für wenige Euro erhältlich. Bestimmte seltene Varianten oder Exemplare in einwandfreiem Zustand mit Originalverpackung können laut Sammlern und Fachquellen deutlich höhere Preise erzielen. Der Marktwert schwankt je nach Gebrauchtmarkt.
Wie unterscheidet man ein Original von einer Reproduktion? Drei Prüfpunkte: 1) die Beschriftung unter dem Sockel (Hersteller, Land, Copyright Peyo/IMPS); 2) die Qualität des PVC und die Schärfe der Details (Reproduktionen weisen oft Grate und ungenaue Farben auf); 3) die historische Übereinstimmung des Modells (ein Modell, das nie in den Schleich- oder Bully-Katalogen aufgeführt war, ist zwangsläufig eine Kopie).
Nützliche Quellen
- Bluedwarfs.com – Schleich-Schlümpfe-Katalog: unverzichtbare Referenz zur Identifizierung und Datierung von Schleich-Figuren anhand der Formnummer und der Kennzeichnung.
- Pixietcie.com – „Die Schlümpfe“-Kollektion: Offizielle Website von Pixi & Cie, handbemalte Bleifiguren, nummerierte limitierte Auflagen.
- Imaginationhobby.com – Bully- und Schleich-Figuren aus den 70er- und 80er-Jahren: Spezialist für Vintage-PVC-Figuren, guter Anhaltspunkt für Marktpreise.
- Archives80.com – Die Schlümpfe im Fernsehen: Archiv der ersten französischen Ausstrahlung des Zeichentrickfilms (27. Dezember 1982, Antenne 2).
Entdecken Sie unser gesamtes Sortiment auf unserer Pillar-Seite zu Sammelfiguren aus Comics.
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